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Das Mädchenhaus oder Armenkinderhaus der Anna-Maria Koller (1845 – 1901)

Im Gefolge der Revolution von 1848 und der weiter zunehmenden Aufklärung und Verstädterung haben sich nach einem Bericht des Abbacher Pfarrers Martin Otto an das Bischöfliche Ordinariat die  sittlich  moralischen Verhältnisse  nicht gut entwickelt. Zucht und Erziehung der Jugend wurden von den Eltern weithin als unwichtig betrachtet.[1

In dieser Situation fanden sich jedoch einige einflussreiche und vermögende Privatleute in Abbach, die die Sache wenden wollten. Zu ihnen gehörte 1856 die Bräuerswitwe Anna Maria Koller, die Ehefrau Franz Xaver Kollers,  die im 1845  aufgegebenen Rat- und Schulhaus (jetzt Gasthaus zur Post) im Tausch mit einem Haus der Koller`schen  Brauerei (jetzt Zirngibl) ein Pflegehaus für arme und verlassene Mädchen  einrichten wollte.

Die Gemeinde reagierte jedoch aus zwei Gründen reserviert:

Erstens, man habe das alte Rathaus nach Verlust des Landgerichtes 1803 dem Staat  1847 schon einmal  zur Errichtung eines Pflegegerichtes angeboten und man habe diesbezüglich noch keinen  ablehnenden Bescheid. Zweitens schien dem Rat von Abbach  die Errichtung eines Mädcheninstituts nicht nötig gewesen zu sein, weil in „unmittelbarer Nähe das Kloster Viehhausen und die Stadt Regensburg liegt, und dadurch den Eltern, welche auf die Ausbildung ihrer Kinder mehr verwenden wollen, die schönste Gelegenheit zur Seite steht.“[2]

Anna Maria Koller ließ sich jedoch nicht abschrecken oder vertrösten und kaufte das Haus an der Ecke Römerstraße/Jungfern- gassl, um 1950 noch „Klösterl“ genannt. Für die Betreuung der Mädchen holte sie Franziskusschwestern aus Pirmasens, die nach ihrem Umzug nach Bayern „Mallersdorfer Schwestern“ genannt wurden. Wegen der Animositäten zwischen Anna Maria Koller und dem Gemeinderat Abbach konnten sich diese wohltätigen Schwestern in Abbach nie beliebt machen, und man holte deshalb zur Betreuung des Kindergartens den St. Nikolausvereins (gegr. 1926) und für das Bezirkskrankenhaus  am Krankenhausberg schließlich Schwestern aus Vierzehnheiligen.

In der Diözesanmatrikel 1919 finden wir  über diese Schwestern in der privaten Stiftung einer Abbacher Bürgerin folgenden Passus:

„ (...) Die Schwestern (3) wurden 1858 von der Bräuerswitwe Anna Koller berufen, um in einem  ihr gehörigen Hause die Pflege und Erziehung armer verlassener Mädchen  zu übernehmen. Die Schwestern haben auch in der Mädchenschule den Unterricht  in weibl. Handarbeiten zu ertheilen und versehen Krankendienst in Privathäusern. Die Anstalt  ist z. Z. ohne Fundation; das Haus ist noch  Eigenthum der Anna Koller, (...).“[3]

Bis in die Gegenwart wohnte in diesem Häuschen mit anliegendem Gärtlein an den Berg hin die Witwe Beer. Jetzt soll  es wieder den Besitzer wechseln.

 

 



[1] Beschreibung der Pfarrei Abbach von Pfarrer Martin Otto, 1861. Diözesanarchiv

Regensburg Sign. 82.

[2] Statuten-Buch der Gemeinde Abbach 1856. Archiv von Bad Abbach 8.6.2.

[3] Matrikel der Diözese Regensburg, 1916,  S. 523, Kopie in Auszügen.  Hängekartei „Pfarrei“,      Arbeitsraum des Archivs von Bad Abbach.

 

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