Banner
Home historisches Bad Abbach historisches Bad Abbach Wohltätige Bruderschaften und Stiftungen in (Bad)Abbach

Wohltätige Bruderschaften und Stiftungen in (Bad)Abbach

1.  Die Marktkirchenstiftung zum heiligen Christoporus 1470 und
die Corporis Christi- (Fronleichnams) Bruderschaft 1669

Schon die Namengebung der  1470 gegründeten  Stiftung bei der Marktkirche zeigt die sozial- karitative Ausrichtung an.
Christophorus galt immer schon als einer der 14 Nothelfer.
Man muss auch festhalten, dass es nicht eine kirchliche Behörde des Bistums oder der Pfarrei war, die hier initiativ wurde oder als Träger fungierte, sondern die Marktbürgerschaft, die auch bis in die 1960er Jahre die Baulast für die Marktkapelle trug.

Der Ortschronist  Gandershofer verweist uns auf den Zweck der Stiftung:
„Alten, gebrechlichen Personen war der weite, ermüdende Gang zur St. Nikolaus Pfarrkirche auf dem Abhange des Schlossberges dahier, welche ursprünglich die Burgkirche  mag gewesen seyn (...), längst beschwerlich gewesen, und der Gemeinsinn der Bürger beschloß daher in diesem Jahre, in  Mitte des Marktes dem hl. Christoph zu Ehren eine Kapelle aufzuführen, wozu im J. 1484 ein Beneficium gestiftet, (...).

Wir heutigen Medienkonsumenten können nicht mehr nachvollziehen, was der Besuch der Gottesdienste jungen und erst recht alten Leuten bedeutete. Sie erfüllten durch ihn nicht nur eine religiöse Pflicht, was natürlich auch sein Gewicht hatte, sondern es war die seltene Abwechslung im täglichen Einerlei, in dem es nichts zu lesen oder fern zu sehen gab. Die Predigten, Andachten und Zeremonien trugen zur Kurzweil und Kommunikation bei. Die Stiftung bei der Marktkirche  leistete auf diese Weise einen unschätzbaren Beitrag im sozialen und kulturellen Leben  der Marktgemeinde.
In den Jahresrechnungen  der Christophorus Bruderschaft, die hier ab 1665 bis 1807 vorliegen, wurde z. B. für das Jahr 1666 festgehalten: Aktivrest aus den Vorjahren:       539 Gulden 17 Kreuzer 1 Heller.
Von den Einnahmen mussten die Ausgaben für den Gottesdienst bestritten werden und die Ausgaben zur Erhaltung der Kapelle. Der Rest floss an die Armen.

Greifen wir einige Beispiele der Wohltätigkeitsarbeit im praktischen Vollzug heraus:

„Auf Besoldung: Dem Schulmeister sein Jahresbesoldung 3 Gulden. (Dieser Posten erscheint auch in den folgenden Jahren unverändert unter den Ausgaben. Man muss  daran erinnern, dass der Lehrer dieser Zeit zusätzlich einen bürgerlichen Beruf ausübte. Lehrer Lorenz Schindlböck z.B. war bis zum Tod 1816 Bäcker und Lotteriebetreiber; seine Witwe  Katharina verdiente sich ihr Brot mit Schnapsbrennen. A.d.V.) . u.v.m.

Man kann es als Ergänzung des Stiftungswirkens bei der Marktkirche betrachten, als am 15. Januar 1669 zusätzlich die Corporis Christi Bruderschaft  tätig wurde. Sie hatte ursprünglich zwar nur eine religiöse Zielsetzung, und die Erträgnisse der Stiftungsgelder sollten zuerst dem Gottesdienst (Kultus) zur Verfügung stehen. Dann aber ergab es sich, dass der überwiegende finanzielle Anteil in karitative und gemeinnützige Aufgaben und Angelegenheiten floss.

Eine differenzierte Aufstellung, in welcher Intention einst Zustiftungen zur Hochlöblichen Erzbruderschaft Corporis Christi erfolgt sind, beweisen Stiftungs- und  Verwendungslisten vom 30.12.1807. Es werden  Institutionen und Personen namentlich aufgeführt, die als Guttäter der Bruderschaft vermerkt sind, und wie hoch die Verbindlichkeiten der Zustifter auf Grund der Guttat waren.

2. Die Parth´sche Stiftung 1564

Die wohl  am nachhaltigsten wirkende Stiftung des ausgehenden Mittelalters ist das Vermächtnis des Ochsen- und später Engelwirts Georg Parth.
Er stiftete der hiesigen Bürgerschaft in aller Form mit einem Stiftungsbrief fünf Äcker in bester Lage Abachs zur Ehre des Dreifaltigen Gottes und der seligen Jungfrau Maria, für sein eigenes Seelenheil und das seiner Vorfahren und vor allem auch zum Nutzen der Armen des Ortes.

Gandershofer  berichtet in seiner Chronik über dieses Ereignis für das Jahr 1564: „Noch ist bei diesem Jahre zu bemerken, dass der hiesige Bürger Georg Parth zum Behufe einer Armenspende und eines Jahrtages  zu der hiesigen Markskapelle 4 Äcker  und einen Wiesfleck vermachte. Dem Schulmeister waren dabei sechs, dem Custos oder Kirchendiener  zwei Regensburger Pfennige ausgesetzt.

Die sozial-karitative Arbeit umfasst Leistungen dieser Art:
Die Summe von 6 Gulden 21 Kreuzer 24 Heller wurde 1785 an 31 namentlich genannte bedürftige Personen, sog. Hausarme, verteilt, wie z.B. die  alte Gassnerin 6 kr, an die alte Pickin 6 kr, an Schmidmeiers Wittib 6 kr, an Florian Plankens Eheweib 10 kr  etc. Unter ihnen befinden sich Taglöhner, Austrägler, der Kleinhirt, eine Vogelfängerin, Bresthafte aller Art, insbesonders zwei Blinde.
1789   steht die Summe von 39 Gulden 14 Kreuzer 4 Heller zur Verteilung an die Hausarmen  zur Verfügung.
Die verfügbare Summe richtet sich von Jahr zu Jahr nach dem Getreidepreis. Die Höhe der Summe  hängt von der Zahl der Bedürftigen ab. Im Falle des Misswuchs musste auf die zurückbehaltene Reserve rekurriert werden.
Auf der Liste stand immer auch der Ankauf von Schulbüchern, das Schulgeld für Waisen und andere arme Kinder. Ganz allgemein wurde jeweils der Schulfond und das Armenhaus mit einer Spende bedacht.
Listen dieser Art liegen bis zum Jahre 1803, dem Jahr der Säkularisation, vor.

Die Stiftung zeigte noch bis gegen Ende des 19. Jh. Wirkung, nachdem sie  1817 in  das Schulbenefizium eingegliedert wurde, was Belege späterer Jahre beweisen.



3. Stiftungen in unserer Zeit

Die Zeit bringt immer wieder sozial denkende und handelnde Menschen hervor.
Das Ehepaar Liselotte und Dr. Hermann Hahnemann errichtete, nachdem es selbst kinderlos geblieben war,  am 20. August 1998  die „Dr. Hermann und Liselotte Hahnemann-Stiftung zu Gunsten der Mission der Weißen Väter in Afrika zur Linderung materieller und geistiger Not dortiger Menschen.
Es sollten Brunnen gegraben, Kinderheime und Schulen gebaut, Aidshospize und Mensen errichtet, und Flüchtlinge sozial aufgefangen werden. Das Stiftungsvermögen beträgt ca. 3 Millionen Euro.
Liselotte Heinemann starb 1995, Dr. Hermann Hahnemann 1998. Die Stifter  ruhen auf den neuen Friedhof an der Römerstraße.


In  diese Tradition  traten  am 14. Oktober 2002 auch Adolf und Erna Angrüner ein. Sie errichteten eine Stiftung des bürgerlichen Rechts in Bad Abbach mit dem Zweck der Förderung   der Jugend, Sport und Kultur.
Adolf Angrüner starb  am 6. Oktober 2006, seine Ehefrau Erna war ihm  am 6.September 2005 im Tod vorausgegangen. Sie ruhen auf dem Bergfriedhof.

Unternehmen die den Tourismusverein unterstützen
Banner
Banner

Translator

Besucher

gesamtgesamt354543