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Zistererhaus – ein Schandfleck am Ortseingang?
Gewiss ist, dass das alte Haus im gegenwärtigen Zustand keinen einladenden
Eindruck macht.
Es wurde eben von der letzten Besitzerin Johanna Zisterer, die das Haus von
ihrem 1878 geborenen Vater geerbt hatte, als 1915 geborene, 2006
verstorbene, sehr alte Dame im Outfit nicht mehr absonderlich verhätschelt
und dem Zahn der Zeit überlassen.
Nach dem Tod von Frau Zisterer stand das Haus einige Monate leer und sollte
dann durch die Kreissparkasse Kelheim versteigert werden.
Am 05.September 2007 wurde das Anwesen in der Kaiser-Heinrich-II-Straße 6
nach seiner Denkmaleigenschaft geprüft und als Denkmal erkannt. Es wurde
anschließend in die Denkmalliste aufgenommen. Seit dieser Zeit gestaltet
sich die Veräußerung wegen der zu erwartenden Baulast natürlich sehr
schwierig. Mangels Erben gehört das Haus jetzt dem Freistaat Bayern und wird
vom Finanzbauamt Würzburg verwaltet. Dieses hat mit Maßnahmen der
Bausicherung das Aussehen dieses Hauses nicht gerade gesteigert.
Die Denkmalschutzbehörde stufte es jedenfalls als „Wohn- und Geschäftshaus,
zweigeschossigen, verputzten Bruchsteinbau in Jurahaus-Bauweise mit flach
geneigtem Satteldach, Ende 18.Jh. ein.
Die Einwohner von Abbach nehmen natürlich Anstoß am gegenwärtigen Zustand
und erhoffen sich eine baldige Veränderung zum Besseren durch einen
Interessenten.
Ich als Archivar möchte durch einen Rückgriff auf die interessante
Geschichte des Hauses ein wenig Verständnis und Geduld bei den Mitbürgern
wecken.
Nach Aktenlage war der Vorbesitzer der 1816 geborene Privatier Josef
Gleißl. Nicht lange zuvor musste das Haus gebaut worden sein, weil es an der
Stelle steht, wo erst nach 1759 , kurz vor 1800, das „Regensburger oder
Untere Tor mit dem Torhäusl abgerissen wurde.Das Regensburger Tor bestand
aus einem Turm, der alle nahen Bürgerhäuser sichtlich überragte, mit einem
Durchlass und dem erwähnten Torhaus. Alles war mit Grünsandstein erbaut.
Reste davon existieren noch in der Mauer an der rückwärtigen Einfahrt zur
Reiffaisenbank.
Aus den Kammerrechnungen des 17. Jh. fand ich heraus, dass dort früher der
Marktdiener wohnte, der aber 1679 ausquartiert wurde, weil man das Häusl als
Wachstube ("Polizeistation") brauchte und auch der Plasterzoll-Einnehmer
dort seinen Platz beanspruchte. Es war auch der Aufbewahrungsort für die
zwei Wachtgewehre, die man wegen unsachgemäßer Handhabung öfter nicht
gebrauchen konnte.Auch die Plasterzollzeichen, die der Hufschmied aus
Weißblech stanzen musste, waren dort bevorratet.
Mit dem Torhäusl verbunden war also das Regensburger Tor, das man über eine
Zugbrücke mit einem Schlagbaum passieren musste.Der Schlagbaum konnte mit
einem Seilzug geöffnet werden. Das Seil stammte aus einer Abbacher Seilerei
und wurde von dieser öfter ausgebessert und erneuert . Unter der Brücke
befand sich ein mächtiger „Wasserschlund, der von der Donau her und aus dem
Gemlinger Bach (Lugerbach) gspeist wurde. Um den Schlund und die Brücke in
Ordnung zu halten, musste die Gemeinde nach Hochwassern, nach Eisstößen und
ungewöhnlichen Wildwassern immer empfindlich viel Geld zur Instandsetzung
ausgeben.Am Torhäusl war auch die Anschlagtafel für gemeindliche
Mitteilungen angebracht, damit eintreffene Fremde sie gleich am Ortseingang
lesen konnten.
Nebenbei sei erwähnt, dass es noch vier weitere Tore in Abach gab:
Das Tor zum Churfürstlichen Schloss in der Nähe der heutigen Kapelle beim
Pfaffenzeller Haus.
Das „Donautor auf dem Platz, wo heute das Kaiser Heinrich Denkmal steht. Es
war mehr oder weniger nur ein eisernes Gittertor und man muss bedenken, dass
die Donau bis an den Ortskern reichte, weil der Deich (Damm) erst um 1930
erbaut wurde.
Das Tor beim Wildbad, auch Oberes Tor genannt. Es stand am oberen Schlund,
der Mündung des Peisinger Mühlbaches in die Donau, an der späteren
Augsburger Straße. Über den Schlund führte eine Zugbrücke, die an einer
Mauer links und rechts aufgehängt und vom Pflastezoll Einnehmer
manipulierbar war.
Dann gab es noch das Tor bei der Vorderen Mühle (Heute Torhausplatz; Anwesen
der Maria Fischer). Dieses musste man passieren, wenn man von Weichs,
Saalhaupt oder Peising kam. Die einmündenden Wege darf man sich noch nicht
als ausgebaute Straßen vorstellen. Diese Baumaßnahmen erfolgten erst im 19.
und 20 Jh. Vor dem Tor hatten wir wieder eine Zugbrücke über einen Schlund.
Der Schlagbaum war an einer Mauer rechts und links befestigt. 1679 wurde
dort ein neues Wachthäusl aufgestellt.
Es gab das ganze Jahr über drei angestellte Torwarte in Abbach, die den
Pflasterzoll einhoben. Über ihre Tätigkeit und Einnahmen sind sehr viele,
säuberlich geführte Abrechnungslisten vorhanden. Die Gebühren waren nach
Gespann, Fuhrwerk und Ladegut gestaffelt.




